Meisterfaktur

Rohrreinigung im Altbau – Besonderheiten und Vorsichtsmaßnahmen

Thomas M.2026-02-196 Min. Lesezeit
Rohrreinigung im Altbau – Vorsicht bei alten Leitungen aus Gusseisen und Blei

Wenn der Abfluss in einem Altbau nicht mehr abläuft, gelten andere Regeln als im Neubau. Alte Leitungen aus Gusseisen, Blei oder verzinktem Stahl haben über Jahrzehnte Verschleiß erlitten – Korrosion, Ablagerungen und Materialermüdung machen sie anfälliger. Wer hier mit der falschen Methode reinigt, riskiert Rohrbruch, Undichtigkeiten oder im schlimmsten Fall gesundheitliche Schäden. In diesem Leitfaden erfahren Sie, welche Besonderheiten bei der Rohrreinigung im Altbau zu beachten sind, warum chemische Rohrreiniger tabu sind und wie Sie die Spirale richtig einsetzen. Der umfassende Überblick steht im Leitfaden Rohrreinigung.

Rohrreinigungsspirale XR11

Rohrreinigungsspirale XR11

Angebot ansehen

Kurz gesagt

Bei der Rohrreinigung im Altbau gilt: Material kennen, Chemie vermeiden, Spirale vorsichtig einsetzen. Alte Rohre aus Gusseisen, Blei oder verzinktem Stahl sind anfälliger für Schäden – Salzsäure zersetzt Bleirohre, aggressive Mittel greifen Dichtungen und Metall an. Die mechanische Reinigung mit Spirale oder Pömpel ist die sichere Wahl; der Spirale-Durchmesser muss 10 bis 20 Millimeter kleiner sein als der Rohr-Innendurchmesser. Bei unbekanntem Zustand, wiederkehrenden Verstopfungen oder Undichtigkeiten ist der Klempner die richtige Wahl. Wer diese Regeln beachtet, vermeidet Rohrbrüche und unnötige Sanierungskosten.

Warum Altbau-Rohre besondere Vorsicht brauchen

Altbauten wurden mit Rohrmaterialien gebaut, die heute oft nicht mehr verbaut werden oder die nach Jahrzehnten Nutzung ihre Grenzen erreicht haben. In deutschen Altbauten finden sich vor allem Gusseisen (Grauguss), Blei, verzinkter Stahl (LORO-X), Asbestzement aus den 1970er und 1980er Jahren sowie SML und Kunststoff bei späteren Sanierungen. Gusseisen war lange der Standard für Abwasserleitungen – robust, aber anfällig für Korrosion. Bleirohre wurden bis in die 1970er Jahre verbaut und existieren noch in vielen Bestandsgebäuden. Jedes Material reagiert anders auf Reinigungsmethoden.

Ein im Abwassersystem lebender Organismus, Thiobacillus thiooxidans, erzeugt aus Faulgasen aggressive Schwefelsäure. Diese greift Metallrohre an, besonders im Gasraum oberhalb des Wasserspiegels. Gussrohre weisen zudem einen natürlichen Verschleiß von etwa einem Millimeter Wandstärke pro zehn Jahre auf. Nach 20 Jahren sind erste Undichtigkeiten möglich, nach 30 Jahren ist bei vielen Materialien eine Sanierung zu prüfen. Rost, Kalk, Fett und Seifenreste lagern sich über Jahre an den Innenwänden ab – der effektive Innendurchmesser ist oft deutlich kleiner als die Nennweite. Die Richtwerte für den Spirale-Durchmesser helfen bei der Auswahl.

Chemische Rohrreiniger im Altbau – Finger weg!

Chemische Rohrreiniger sind im Altbau besonders riskant. Salzsäurehaltige Mittel zersetzen nicht nur die Verstopfung – sie zersetzen auch Bleirohre. Das Metall löst sich, und Blei gelangt ins Abwasser und in die Umgebung. Auch wenn Sie nicht sicher sind, ob Blei verbaut ist: Finger weg von Salzsäure. Die Alternativen zu chemischen Rohrreinigern zeigen schonendere Wege.

Aggressive Mittel schaden allen alten Materialien. Sie können Dichtungen auflösen, Gusseisen und verzinkte Rohre korrodieren lassen. Die DIN 1986-100 empfiehlt für Abwasserrohre vorrangig mechanische Verfahren. Die Rohrreinigungsspirale arbeitet direkt an der Verstopfung, ohne das Rohrmaterial chemisch anzugreifen. Der Pömpel und die Rohrreinigungspumpe eignen sich bei dosierter Anwendung. Eine detaillierte Anleitung zur Rohrreinigung mit Spirale finden Sie im verlinkten Ratgeber.

Rohrreinigungsspirale im Altbau – richtig einsetzen

Die Spirale ist das bevorzugte Werkzeug bei tiefer sitzenden Verstopfungen – aber bei alten Rohren erfordert sie besondere Sorgfalt. Das Werkzeug an der Spiralspitze sollte 10 bis 20 Millimeter kleiner sein als der Innendurchmesser des Rohres. Bei typischen deutschen Haushaltsrohren (DN 50 mit etwa 47 Millimetern Innendurchmesser) haben sich zwei Größen bewährt: Eine 6-Millimeter-Spirale mit 15 bis 20 Millimetern Kopf für Siphons und mehrere Wandbögen, bei Verstopfungen unter drei Metern Tiefe. Eine 9-Millimeter-Spirale mit 25 bis 30 Millimetern Kopf bietet mehr Steifigkeit für tiefere Blockaden. Die Kaufberatung Rohrreinigungsspirale hilft bei der Auswahl.

Führen Sie die Spirale langsam ein und wechseln Sie rhythmisch zwischen Drücken und Ziehen. Kurbeln Sie im Uhrzeigersinn, damit sich die Spirale nicht lockert – niemals unter Spannung gegen die Drehrichtung drehen. Bei alten Rohren gilt: Keine Gewalt. Eine unsachgemäß bediente Spirale kann Rohre schwer beschädigen. Ohne genaue Kenntnis der Rohrkondition sollten Laien bei Altbauten eher professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Die Entscheidung DIY oder Profi hängt auch von der Bausubstanz ab.

Pömpel und Rohrreinigungspumpe – Druck dosieren

Der Pömpel und die Rohrreinigungspumpe sind bei leichten bis mittleren Verstopfungen wirksam – aber bei alten Rohren muss der Druck dosiert werden. Wenn Sie sehr lange mit zu viel Druck die Saugglocke verwenden, kann die Belastung bei alten Rohren zu viel werden. Ein zu starker Druck kann Anschlüsse auseinanderziehen, Muffen herausdrücken oder zum Rohrbruch führen. Arbeiten Sie mit kurzen, rhythmischen Stößen statt mit Dauerpressure. Wenn nach mehreren Versuchen keine Besserung eintritt, ist die Spirale oder der Profi die nächste Stufe. Die Rohrreinigungspumpe im Vergleich zum Pömpel erklärt die Unterschiede.

Wann Klempner oder Sanierung statt DIY?

Wenn die Verstopfung immer wiederkehrt, sitzt die Ursache oft tiefer – in der Grundleitung, im Fallrohr oder im Sammelanschluss. DIY kuriert dann nur Symptome. Wenn mehrere Abflüsse gleichzeitig betroffen sind, deutet das auf ein systemisches Problem hin. Undichtigkeiten, Wasserflecken an Wänden oder unangenehmer Geruch deuten auf beschädigte Leitungen hin. Bei Altbauten mit unbekanntem Rohrzustand ist der Profi von vornherein die sichere Wahl. Mehr dazu im Artikel Wann Klempner rufen.

Eine Kamerainspektion zeigt den tatsächlichen Zustand der Rohre. Die Kosten liegen typischerweise zwischen 80 und 150 Euro – sie sparen oft teure Fehlversuche. Bei starkem Verschleiß, Undichtigkeiten oder Asbestzement-Rohren ist eine Sanierung sinnvoller als weitere Reinigungsversuche. Rohr-im-Rohr-Verfahren oder Schlauchlining bauen ein neues Rohr in das alte ein. Die Kosten liegen zwischen 50 und 200 Euro pro Meter, je nach Methode.

Vorbeugung – Altbau-Rohre schonend pflegen

Reinigen Sie mechanisch und vermeiden Sie Chemie. Ein Abflusssieb hält Haare, Essensreste und groben Schmutz zurück. Wischen Sie Fett und Öl von Pfannen und Töpfen mit Küchenpapier ab, bevor Sie abspülen – Fett verhärtet beim Abkühlen und setzt sich an den Rohrwänden ab. Hygieneprodukte, Feuchttücher und Windeln gehören in den Müll, nicht in die Toilette. Lassen Sie einmal pro Woche heißes Wasser für zwei bis drei Minuten durch jeden Abfluss laufen. Mehr zu den häufigsten Ursachen für verstopfte Abflüsse und ihrer Prävention finden Sie im verlinkten Ratgeber.

Thomas M.

Autor

Thomas M.

Gelernter Installateur mit Schwerpunkt Rohrreinigung. Im Meisterfaktur-Blog teile ich, was ich in der Praxis gelernt habe: wie du Verstopfungen selbst löst, welche Kosten fair sind und woran du unseriöse Anbieter erkennst. Der Fachshop für Spiralen und Rohrpumpen – ehrlicher Rat statt Werbeguide.

RohrreinigungSanitärtechnik

Häufige Fragen

Verwandte Artikel