Abfluss stinkt: Ursachen verstehen, bevor es richtig schlecht riecht
Thomas M.2026-02-176 Min. Lesezeit
Ein muffiger Geruch, der aus dem Waschbecken oder der Duschrinne aufsteigt, ist mehr als nur lästig – er signalisiert, dass die eingebaute Geruchsbarriere irgendwo versagt. In einem funktionierenden Entwässerungssystem bleibt der Duft des Abwassers nämlich zuverlässig hinter dem sogenannten Geruchsstopp. Wie dieser Schutzmechanismus arbeitet, warum er manchmal ausfällt und welche ersten Schritte du ohne Chemiekeule unternehmen kannst, erfährst du in diesem Artikel.

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Ein stinkender Abfluss bedeutet fast immer, dass der natürliche Wasserpfropfen im Siphon gestört ist – sei es durch Verdunstung, Biofilm oder eine partielle Blockade. Der Siphon hält nach jeder Benutzung eine Restmenge Wasser zurück; diese Wasserschicht blockiert Faulgase aus den tieferliegenden Leitungen. Diffundiert das Wasser durch Verdunstung oder seltenen Gebrauch aus dem Siphon, öffnet sich die Tür für den Geruch. Mit frischem Wasser, gründlicher Ablaufreinigung und, falls nötig, einer kurzen Spiralenkurbel verschwindet der Mief in den meisten Fällen innerhalb weniger Minuten. Bleibt er hartnäckig, lohnt sich die Untersuchung durch Experten, bevor aus fauligem Geruch ein Bauschaden wird. Der umfassende Überblick zu Ursachen und Prävention findet sich im Leitfaden Rohrverstopfung.
Der Geruchsstopp im Siphon
Das U-förmige Rohrstück unter jedem Becken, in der Branche schlicht Siphon genannt, hält nach jeder Benutzung eine Restmenge Wasser zurück. Diese Wasserschicht wirkt wie ein Ventil: Sie lässt das Abwasser passieren, blockiert aber die aufsteigenden Faulgase aus den tieferliegenden Leitungen. Die DIN 1986-100 schreibt für Schmutzwasserabläufe eine Sperrwasserhöhe von mindestens 50 Millimetern vor – genau diese Schicht verhindert, dass Kanalgase in den Raum diffundieren.
Diffundiert das Wasser durch Verdunstung, seltenen Gebrauch oder falsche Montage aus dem Siphon, öffnet sich die Tür für den Geruch. Das Abflussrohr belüftet sich nun ungebremst in den Raum. In der Praxis passiert das besonders oft in Gästebädern, Kellerabläufen oder Ferienwohnungen, die tagelang trocken stehen. Sinkt der Wasserspiegel im U-Bogen unter das Niveau des Rohrscheitels, marschieren die Gerüche direkt ins Bad oder in die Küche. Wer versteht, wie dieser Mechanismus funktioniert, kann gezielt handeln – statt nur den Geruch zu übertünchen.
Häufige Ursachen für üble Düfte
Vier Ursachenkategorien erklären den Großteil der Abflussgerüche. Erstens der verdunstete Siphon: Gästebäder, Kellerabläufe oder Ferienwohnungen stehen oftmals tagelang trocken. Sinkt der Wasserspiegel im U-Bogen unter das Niveau des Rohrscheitels, marschieren die Gerüche direkt ins Bad oder in die Küche. Zweitens der Belag zwischen Ablauf und U-Bogen. Haare, Speisereste oder Fett können sich unmittelbar unter dem Ablaufstopfen sammeln. Dort faulen sie oberhalb der Wasserlinie, also genau im Gasraum, den der Siphon eigentlich abdichten soll. In der Küchenspüle sind oft die Abläufe der Abtropfseite wahre Gestanknester – hier sammelt sich Fett und organischer Schmutz, der bei Zimmertemperatur zu faulen beginnt.
Drittens die partielle Verstopfung. Läuft das Wasser nur träge ab, schwimmen organische Schwebstoffe länger im Siphon. Der Wasserpfropfen verwandelt sich in eine trübe Brühe, die schon bei leichter Erwärmung übel riecht. Der typische Geruch nach faulen Eiern stammt von Schwefelwasserstoff – einem Gas, das Bakterien in sauerstoffarmen Bereichen des Biofilms produzieren. Viertens Rohrschäden: Ein Riss in der Abwasserleitung, vielleicht hinter der Wand, lässt nicht nur Wasser austreten, sondern auch Faulgase. Dieses Szenario ist selten, muss aber bedacht werden, wenn alle anderen Maßnahmen scheitern. Typisch für Rohrschäden ist, dass der Geruch aus mehreren Abläufen gleichzeitig kommt oder dass feuchte Flecken an Wänden oder Decken sichtbar werden. In solchen Fällen hilft nur eine Fachfirma mit Kamerainspektion und Leckortung. Mehr zu den zehn häufigsten Ursachen für verstopfte Abflüsse und wie du ihnen vorbeugst.
Schnelltest: Ist der Siphon wirklich leer?
Bevor du zu Reinigungsmitteln oder Werkzeug greifst, lohnt sich ein einfacher Schnelltest. Fülle einfach eine Tasse Wasser in den stinkenden Ablauf. Verschwindet der Geruch sofort und bleibt er weg, hast du den Schuldigen entlarvt: Der Siphon stand trocken. Die frische Wasserschicht hat die Barriere wiederhergestellt und blockiert nun die Faulgase. Steigt der Gestank trotz frischer Wasserbarriere wieder auf, liegt das Problem entweder im Ablaufbereich selbst oder tiefer im Rohr. In diesem Fall hilft keine weitere Wassermenge – du musst den Belag mechanisch entfernen oder eine Blockade lösen.
Dieser Test dauert keine Minute und spart dir im besten Fall unnötige Reinigungsaktionen. Er funktioniert bei Waschbecken, Dusche, Badewanne und Bodenabläufen gleichermaßen. Wer den Test regelmäßig bei selten genutzten Abflüssen durchführt, beugt dem typischen Ferienwohnungs- oder Gästebad-Geruch vor.
So verschwindet der Geruch – Schritt für Schritt
Schritt 1: Wasserbarriere wiederherstellen
Bei selten benutzten Abläufen reicht oft ein kräftiger Schwung Wasser. Lasse den Hahn eine halbe Minute laufen oder gieße einen Eimer in den Bodenablauf der Waschküche. Sobald das U-Rohr vollständig gefüllt ist, bleibt der Mief in der Leitung. Ein einfacher Test: Nach zehn Minuten riecht es immer noch frisch? Dann war lediglich Verdunstung die Ursache. Bei Gästebädern oder Kellerräumen empfiehlt sich, diese Abläufe einmal pro Woche kurz mit Wasser nachzufüllen. Ein Esslöffel Speiseöl im Siphon verzögert das Verdunsten zusätzlich – das Öl bildet eine dünne Schicht auf der Wasseroberfläche und reduziert die Verdunstungsfläche.
Schritt 2: Ablauffassung reinigen
Zeigt der Geruch sich sofort wieder, sitzt das Problem meist oberhalb des Siphonbogens. Entnimm den Stopfen, kratze mit einer alten Zahnbürste oder einem schmalen Flaschenbürstchen die braune Fettschicht ab und spüle mit heißem Wasser nach. In der Küchenspüle sind oft die Abläufe der Abtropfseite wahre Gestanknester – hier hilft notfalls etwas chlorhaltiger Reiniger. Handschuhe und Frischluft sind dabei Pflicht, und niemals chlorhaltige Mittel mit Essig oder Natron mischen – die Kombination erzeugt giftige Gase. Eine detaillierte Anleitung zur Siphon-Reinigung mit Spirale findest du in unserem Ratgeber.
Schritt 3: Langsamer Abfluss? Blockade lösen
Träge ablaufendes Wasser deutet auf eine beginnende Pfropfbildung. Verzichte auf Lauge; setze stattdessen eine Handspirale ein und kurble sanft, bis Haare oder Speisereste hochkommen. Alternativ kann eine Luftdruckpistole die Schlammschicht vor sich herschieben. Fließt das Wasser danach schnell ab, füllt sich der Siphon wieder mit Frischwasser und die Geruchsquelle versiegt. Die 3-Intervall-Methode empfiehlt, einmal monatlich eine Handspirale oder Druckluftkartusche für zehn Sekunden durchzuziehen – das entfernt Biofilm, bevor er fault.
Schritt 4: Geruch trotz freier Leitung – Rohr defekt?
Bleibt der Gestank, obwohl der Siphon voll ist und das Wasser frei läuft, kann ein Leck in der Abwasserleitung Gas in Wand oder Boden entweichen lassen. In diesem Fall hilft nur eine Fachfirma: Profis verschließen alle Abläufe, nebeln die Leitungen mit Rauchspray oder füllen sie mit leuchtendem Färbemittel. Tritt Nebel oder Farbe aus Fugen, Putz oder Kellerwand, ist das Leck lokalisiert. Mit Kamera, Hochdruck und Sanierungsfräse sind Profis in Minuten dort, wo Hausmittel nicht mehr wirken.
Häufiger Fehler: Viele greifen reflexartig zu chemischen Rohrreinigern. Diese Laugen und Säuren greifen jedoch Rohre und Dichtungen an, lösen oft nur oberflächlichen Belag und beseitigen keine Haarmatten oder Speisereste im U-Bogen. Besser: Erst mechanisch reinigen, dann mit Hausmitteln nachbehandeln.
Dauerhaft vorbeugen
Verhindern lässt sich Abflussgeruch mit kleinen Routinen. Lasse selten benutzte Bodenabläufe einmal pro Woche kurz mit Wasser nachfüllen; ein Esslöffel Speiseöl verzögert das Verdunsten zusätzlich. Im Bad stoppt ein Haarfänger 80 Prozent aller Reste, in der Küche hält ein Sieb Kaffeesatz und Essensbrocken zurück. Wer einmal im Monat eine Handspirale oder Druckluftkartusche für zehn Sekunden durchzieht, entfernt Biofilm, bevor er fault. Die 3-Intervall-Methode strukturiert diese Routinen ohne Überkomplexität – mit drei klaren Intervallen hältst du deine Leitungen dauerhaft frei.
Bei Verstopfungen in Dusche oder Badewanne ist der Siphon fast immer die erste Stelle, an der sich Ablagerungen sammeln. Mehr dazu im Artikel Verstopfter Abfluss in Dusche und Badewanne – dort erfährst du, wie du den Siphon-Typ erkennst und typische Fehler vermeidest.
Wann Fachleute unverzichtbar sind
Eine Verstopfung, die trotz Spirale oder Luftstoß nicht weicht, oder ein Geruch, der aus mehreren Abläufen gleichzeitig kommt, weist auf ein zentrales Problem im Fallstrang hin. Ebenso kritisch sind feuchte Flecken an Wänden oder Decken – sie können von winzigen Rissen in der Abflussleitung stammen. In all diesen Fällen spart ein schneller Anruf beim Rohr- und Kanalreiniger langfristig Geld und Nerven: Mit Kamera, Hochdruck und Sanierungsfräse sind Profis in Minuten dort, wo Hausmittel nicht mehr wirken. Ein Notdienst nachts oder am Wochenende kann schnell vierstellig werden – wer früh handelt und die Ursachen kennt, kommt selten in diese Situation.
Fazit
Ein stinkender Abfluss bedeutet fast immer, dass der natürliche Wasserpfropfen im Siphon gestört ist – sei es durch Verdunstung, Biofilm oder eine partielle Blockade. Mit frischem Wasser, gründlicher Ablaufreinigung und, falls nötig, einer kurzen Spiralenkurbel verschwindet der Mief in den meisten Fällen innerhalb weniger Minuten. Bleibt er hartnäckig, lohnt sich die Untersuchung durch Experten, bevor aus fauligem Geruch ein Bauschaden wird. Wer die Ursachen versteht und mit kleinen Routinen vorbeugt, spart sich den teuren Notdienst – und verlängert die Lebensdauer der Leitungen um Jahre. Für konkrete Sofortmaßnahmen bei akutem Gestank findest du in unserem Artikel Abfluss stinkt: Geruch beseitigen die nächsten Schritte.

Autor
Thomas M.
Gelernter Installateur mit Schwerpunkt Rohrreinigung. Im Meisterfaktur-Blog teile ich, was ich in der Praxis gelernt habe: wie du Verstopfungen selbst löst, welche Kosten fair sind und woran du unseriöse Anbieter erkennst. Der Fachshop für Spiralen und Rohrpumpen – ehrlicher Rat statt Werbeguide.

