Abfluss stinkt? Schnell Ursachen finden & Geruch beseitigen
Thomas M.2026-02-176 Min. Lesezeit
Kurz gesagt
Ein stinkender Abfluss hat meist eine von sechs Ursachen: Biofilm in Küche oder Bad, trockengefallener Siphon, Unterdruck, defekter Siphon oder Fremdkörper. Mit drei einfachen Handgriffen – Geruchsverschluss mit Wasser auffüllen, Natron-Essig-Kur, Haarknäuel entfernen – verschwindet der Gestank in rund 80 Prozent der Fälle innerhalb weniger Minuten. Kehrt der Geruch zurück, hilft eine Handspirale oder gründliche Siphon-Reinigung. Bleibt er hartnäckig, deutet das auf Fremdkörper oder Rohrschaden hin – dann ist der Profi gefragt. Mehr zu Ursachen und Prävention findest du im Leitfaden Rohrverstopfung.

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Angebot ansehenWarum riecht es überhaupt?
Der faulige Geruch aus dem Abfluss entsteht, wenn Biofilm – eine Mischung aus Bakterien, Fetten und Seifenresten – an den Rohrinnenwänden fault. Dabei entstehen Schwefelwasserstoff und Mercaptane, die bereits in geringer Konzentration streng riechen. Aggressive Rohrreiniger beseitigen nur oberflächlichen Belag und schaden Dichtungen und Umwelt. Die Lösung: Ursache erkennen und gezielt entfernen – ohne Chemiekeule.
Häufige Ursachen für üblen Abflussgeruch
Biofilm & Fettbeläge (Küche)
In der Küchenspüle lagern sich winzige Fetttröpfchen und Speisereste an den Rohrinnenwänden ab. Darauf siedeln Bakterien, die bei ihrem Stoffwechsel stinkende Schwefelverbindungen freisetzen. Typisches Symptom: Der Gestank tritt vor allem nach dem Spülen fetthaltiger Speisen auf.
Haare und Seifenreste (Bad)
Im Dusch- oder Waschbeckensiphon verfilzen Haare mit Seife zu einem feuchten Teppich. Dieser hält Hautschuppen fest – ein perfektes Buffet für geruchsbildende Mikroben. Je länger die Matte, desto intensiver der Geruch beim Öffnen des Wasserhahns.
Trockengefallener Geruchsverschluss
Ist ein Ablauf länger als zwei bis drei Wochen ungenutzt (Urlaub, Gästebad, Kellerbodenablauf), verdunstet das Sperrwasser im Siphon. Ohne diese Wasserbarriere steigt Kanalluft ungebremst in den Raum – sie riecht streng faulig oder nach fauligem Ei.
Unterdruck oder falsche Entlüftung
Fehlt dem Rohrsystem eine korrekte Belüftung, reißt ein schnell ablaufender Wasserschwall den Siphon leer (Gurgeln im Nachbarbecken). Danach kann Kanalluft zurückströmen. Oft kommt das Problem in Altbauten oder nach unsachgemäßer Badrenovierung vor.
Falscher oder beschädigter Siphon
Billige Kunststoff-Siphons verziehen sich bei Hitze oder werden beim Reinigen zu fest angezogen, sodass die Dichtung nicht mehr sauber schließt. Durch die winzige Fuge tritt Abwassergeruch aus – meist bemerkt man ihn erst, wenn der Unterschrank anfängt zu stinken.
Fremdkörper und Rohrschäden
Spielzeug, Wattestäbchen oder Baumaterial können sich verkanten, sodass Restwasser dauerhaft steht und kippt. In seltenen Fällen führt ein Haarriss im Rohr (Korrosion, Wurzeleinwuchs) dazu, dass Abwasser in die Wand sickert und muffige Gerüche freisetzt.
Soforthilfe – Geruch in 3 Minuten eindämmen
Geruchsverschluss reaktivieren
Riecht es vor allem nach längerem Nichtbenutzen, fülle zuerst den Siphon wieder mit Wasser: einfach den Hahn 20 Sekunden laufen lassen. Bei Bodenabläufen ohne sichtbares Wasser nimm ein Glas und schütte etwa 200 ml hinein – schon ist die Sperrschicht wiederhergestellt und Kanalluft bleibt draußen.
Biofilm kurz aufschrecken
Streue vier Esslöffel Natron in den Abfluss und kippe eine halbe Tasse Haushaltsessig hinterher. Das Schäumen löst oberflächlichen Schleim, neutralisiert schwefelige Gase und bindet Gerüche sofort. Nach fünf Minuten spülst du mit einem Liter kochendem Wasser nach.
Haarknäuel entfernen
Greife mit einem langen Kabelbinder oder einer schmalen Zange in das Sieb beziehungsweise in den Siphonhals und ziehe die verfilzte Matte heraus. Einmal kräftig nachspülen – die Luft ist schlagartig besser.
Diese drei Handgriffe dauern zusammen kaum länger als das Aufbrühen einer Tasse Tee und beseitigen in rund 80 Prozent aller Fälle den spontanen Gestank. Verschwindet der Geruch nicht oder kehrt schon nach wenigen Tagen zurück, braucht es die gründliche Reinigung. Mehr zu Hausmitteln gegen verstopfte Rohre findest du in unserem Ratgeber.
Gründliche Reinigung – wenn der Gestank wiederkommt
Mechanisch statt Chemie: Handspirale
Greife zu einer Handspirale (Ø 6–8 mm). Führe sie langsam in den Abfluss, kurble 30–60 Sekunden und ziehe sie rotierend heraus. So entfernst du tiefersitzenden Biofilm, Fettreste und kleine Kalknasen, die sich mit Hausmitteln nicht lösen. Eine detaillierte Anleitung findest du in unserem Artikel Siphon reinigen mit Spirale.
Alternative bei flachen Leitungen: Druckluft
Ein Hand- oder Akku-Druckluftgerät erzeugt einen kurzen Luftstoß (2–3 bar), der lose Ablagerungen und abgestandenes Wasser bis zu sechs Meter weit vor sich her schiebt – ideal für Duschwannen oder Spülen mit knappen Platzverhältnissen.
Siphon ausbauen und spülen
Stell einen Eimer unter, löse die Überwurfmuttern, säubere Innenwände, Dichtung und Gewindegänge gründlich mit heißem Seifenwasser. Beim Wiedermontieren die Dichtungen nur handfest anziehen; so vermeidest du Spannungsrisse und Undichtigkeiten.
Unterdruck beseitigen
Beobachtest du häufiges Gurgeln, prüfe, ob der Lüftungsstutzen auf dem Dach oder die kleine Belüftungsventil-Muffe verschmutzt ist. Einmal abwischen oder, falls defekt, austauschen – danach füllt sich der Siphon wieder korrekt.
Führen diese Schritte nicht zum Erfolg, deutet das meist auf einen Fremdkörper oder einen verdeckten Rohrschaden hin. In diesem Fall ist ein Sanitär-Profi mit Kamera-Inspektion die sicherste und oft günstigste Lösung.
Vorbeugung – langfristig geruchsfrei
Ist der Gestank erst einmal verschwunden, hältst du ihn mit einfachen Gewohnheiten auch weg – ganz ohne Chemie und ohne viel Zeitaufwand. Siebe und Haarfänger konsequent benutzen: Alle groben Partikel, die gar nicht erst ins Rohr gelangen, können dort auch keinen Biofilm bilden. Klopf das Sieb nach dem Spülen kurz in den Mülleimer aus, das genügt.
Eine monatliche Natron-Essig-Kur hilft: Vier Esslöffel Natron, etwas Essig, fünf Minuten einwirken, dann kochendes Wasser hinterher – das löst frischen Schleim, neutralisiert Gerüche und pflegt gleichzeitig die Rohrinnenwand. Halbjährlich mechanisch reinigen: Führe zweimal im Jahr eine Handspirale oder einen sanften Druckluftstoß durch. Der Aufwand liegt bei wenigen Minuten, verhindert aber, dass sich Fett- und Haarreste zum festen Pfropf auswachsen.
Siphon mit Wasser gefüllt halten: Länger nicht genutzte Abflüsse (Gästebad, Keller) solltest du alle paar Wochen kurz mit Wasser befüllen, damit die Wasserbarriere gegen Kanalluft erhalten bleibt. Fettreste richtig entsorgen: Gieß Bratöl in ein Glas, lass es erkalten und wirf es in den Restmüll; so gelangen keine fetten Filmreste ins Abflussrohr. Mehr dazu, wie oft du deine Rohre reinigen solltest, findest du in unserem Ratgeber.
Wann du besser den Profi rufst
Manchmal steckt hinter hartnäckigem Gestank doch mehr als Fettfilm oder verdunstetes Siphonwasser. Hol dir fachliche Hilfe, wenn der Geruch sofort oder nach kurzer Zeit zurückkommt, obwohl du Natron-Essig, Spirale oder Druckluft angewendet hast. Das kann auf einen verdeckten Fremdkörper oder einen Rohrschaden hindeuten.
Auch wenn Wasser im WC oder in der Dusche zurückstaut und vielleicht sogar braun aufschäumt, deutet das auf einen tiefen Verschluss oder ein Belüftungsproblem im Fallrohr hin, das Spezialwerkzeug und Kamera erfordert. Sichtbare Risse oder Nässestellen an Wänden und Decken können bedeuten, dass Abwasser in die Bausubstanz sickert. Wenn mehrere Abflüsse gleichzeitig riechen oder langsam ablaufen, liegt das Problem meist im gemeinsamen Strang – Mieter dürfen aus Sicherheitsgründen oft gar nicht selbst eingreifen.
In Altbauten, wo das Belüftungssystem unbekannt oder ungeeignet ist, kann ein Installateur mit einer Rohrkamera exakt orten, ob eine Lüftungsleitung fehlt oder ein Fallrohr undicht ist. Ein professioneller Kamerablick kostet in der Regel weniger, als eine unerkannte Leckage an Wänden oder Estrich später zu sanieren. Kurz: Wenn Hausmittel und mechanische Schnellmethoden den Gestank nicht dauerhaft vertreiben, lass lieber den Fachmann ran – das spart auf lange Sicht Zeit, Geld und Nerven.

Autor
Thomas M.
Gelernter Installateur mit Schwerpunkt Rohrreinigung. Im Meisterfaktur-Blog teile ich, was ich in der Praxis gelernt habe: wie du Verstopfungen selbst löst, welche Kosten fair sind und woran du unseriöse Anbieter erkennst. Der Fachshop für Spiralen und Rohrpumpen – ehrlicher Rat statt Werbeguide.

