Küchenabfluss verstopft – Anleitung zur Reinigung ohne Chemie
Thomas M.2026-02-246 Min. Lesezeit
Kurz gesagt
Ein verstopfter Küchenabfluss entsteht typischerweise durch Fettablagerungen und Essensreste, die sich im Siphon und im Rohr sammeln. Die richtige Reihenfolge lautet: Erst Hausmittel wie heißes Wasser mit Spülmittel oder Backpulver und Essig, dann Pömpel, dann Rohrreinigungsspirale, schließlich Siphon demontieren. Chemische Rohrreiniger schaden Dichtungen, Rohren und Umwelt – mechanisch reinigen ist schneller und schonender. In über 80 Prozent der Fälle sitzt die Verstopfung im Siphon und lässt sich durch Demontage und Bürstenreinigung beseitigen. Der umfassende Überblick steht im Leitfaden Rohrreinigung.

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Angebot ansehenWarum verstopft der Küchenabfluss?
Der Küchenabfluss verstopft aus anderen Gründen als der Abfluss im Bad. Während in Dusche und Waschbecken vor allem Haare und Seifenreste die Ursache sind, dominieren in der Küche Fett, Essensreste und Kaffeesatz. Diese Unterschiede sind wichtig, weil sie die Wahl der Reinigungsmethode beeinflussen.
Fettablagerungen entstehen, wenn heißes Öl oder Bratfett aus Pfannen und Töpfen in den Abfluss fließt. Zunächst ist es flüssig – aber sobald es im kalten Rohr abkühlt, verhärtet es sich und klebt an den Rohrwänden fest. Über Monate wächst die Schicht, der Durchlass wird enger, bis das Wasser nur noch tröpfelnd abläuft oder gar nicht mehr. Essensreste wie Reis, Nudeln oder Gemüsereste, die durch das Sieb rutschen, sammeln sich im Siphon und bilden einen Pfropf. Kaffeesatz verklumpt mit Fett und bildet eine zähe Masse, die schwer zu lösen ist. Hinzu kommen Seifenreste und Kalk, besonders in Regionen mit hartem Wasser.
Die richtige Reihenfolge: Von sanft zu kräftig
Es ist verlockend, sofort zur Spirale oder gar zum chemischen Rohrreiniger zu greifen. Besser ist eine gestufte Vorgehensweise: Erst die sanften Methoden, dann die mechanischeren. Die Eskalationsstufen lauten: Hausmittel zuerst, dann Pömpel, dann Rohrreinigungsspirale, schließlich Siphon demontieren. Hausmittel wie heißes Wasser mit Spülmittel oder Backpulver und Essig lösen oft schon leichte Verstopfungen. Der Pömpel erzeugt Druck und Sog und kann Pfropfen lockern. Die Spirale kommt zum Einsatz, wenn die Verstopfung tiefer sitzt – in über 80 Prozent der Küchenverstopfungen sitzt die Blockade im Siphon.
Hausmittel: Backpulver, Natron, Essig und heißes Wasser
Heißes Wasser mit Spülmittel
Die einfachste Methode ist oft die effektivste bei beginnender Verstopfung. Gieße zwei bis drei Liter heißes Wasser in den Abfluss – nicht kochend, um PVC-Rohre zu schonen. Bei älteren Rohren reicht sehr heißes Wasser von 60 bis 80 Grad. Gib einen Spritzer Spülmittel dazu und lasse die Mischung zehn Minuten einwirken. Das Fett wird weicher und kann beim Nachspülen abfließen.
Backpulver und Essig
Die klassische Kombination erzeugt eine chemische Reaktion: Kohlendioxid entsteht, das sprudelt und Ablagerungen lockert. Gib etwa vier Esslöffel Backpulver in den Abfluss, gieße sofort eine halbe Tasse Essig nach. Deck den Abfluss mit einem feuchten Lappen ab. Nach 15 bis 30 Minuten mit mindestens zwei Litern heißem Wasser nachspülen. Reines Natron wirkt besser als Backpulver, da Backpulver Stärke und Säuerungsmittel enthält. Wenn du Natron verwendest, nimm fünf Esslöffel und eine Tasse Essig.
Soda-Lösung
Löse vier bis fünf Esslöffel Sodapulver in fünf Litern Wasser auf und gieße die Lösung zügig in den Abfluss. Soda löst Fettablagerungen auf und kann bei leichten Verstopfungen helfen.
Bei PVC-Rohren solltest du kochendes Wasser vermeiden – sehr heißes Wasser von 60 bis 80 Grad reicht in der Regel aus und schont die Rohre. Bei alten oder dünnwandigen Leitungen kann kochendes Wasser Schäden verursachen.
Pömpel (Saugglocke) richtig anwenden
Wenn Hausmittel nicht ausreichen, kommt der Pömpel zum Einsatz. Er erzeugt abwechselnd Über- und Unterdruck, der Ablagerungen lockert. Bei der Küchenspüle musst du den Überlauf abdichten – sonst entweicht der Druck. Lege ein feuchtes Tuch über den Überlauf und drücke es fest an. Fülle das Spülbecken mit genügend Wasser, sodass der Gummibereich der Saugglocke vollständig bedeckt ist. Setze den Pömpel mittig auf den Abfluss und bewege die Saugglocke zügig auf und ab – zehn bis fünfzehn kräftige Hübe reichen. Im Vergleich zur Spirale ist der Pömpel schonender für das Rohr.
Rohrreinigungsspirale für die Küche
Wenn Hausmittel und Pömpel nicht helfen, sitzt die Verstopfung tiefer oder ist zu hartnäckig. Dann kommt die Rohrreinigungsspirale ins Spiel. Sie arbeitet mechanisch: Der Spiralkopf wickelt Fettklumpen auf, drückt Essensreste weg und schafft wieder freien Durchfluss. Für die Küche eignet sich eine Spirale mit Spiralkorb oder Diamantkorb – sie wickelt weiche Ablagerungen wie Fett und Essensreste auf. Eine Länge von fünf bis 7,5 Metern reicht in der Regel. Mehr zur Rohrreinigungsspirale Kaufberatung und den passenden Modellen.
Schritt 1: Spirale einführen
Bevor du die Spirale einsetzt, gieße zwei bis drei Liter heißes Wasser in den Abfluss – das weicht Fett an. Zehn Minuten einwirken lassen. Führe die Spitze langsam in den Abfluss ein, bis du leichten Widerstand spürst. Drücke nicht mit Gewalt – die Spirale soll sich selbst durch das Rohr arbeiten.
Schritt 2: Kurbeln im Uhrzeigersinn
Drehe die Kurbel im Uhrzeigersinn und übe nur geringen Vorschubdruck aus. Gegen den Uhrzeigersinn zu drehen lockert die Spirale und kann die Spitze verkanten – halte dich strikt an die Drehrichtung.
Schritt 3: Herausziehen und nachspülen
Weiter im Uhrzeigersinn rotieren, während du die Spirale zurückholst. Fett und Essensreste wickeln sich ein und kommen mit heraus. Ein Liter heißes Wasser entfernt letzte Reste. Häufiger Fehler: Mit Gewalt zu drücken. Die Spirale arbeitet durch Rotation – sie braucht keinen hohen Anpressdruck.
Siphon demontieren und reinigen
In über 80 Prozent der Fälle sitzt die Verstopfung im Siphon – dem U-förmigen Rohr unter der Spüle. Wenn Hausmittel, Pömpel und Spirale nicht helfen, ist die Demontage oft die effektivste Lösung. Stelle einen Eimer unter den Siphon, löse die Überwurfmutter mit der Rohrzange oder von Hand und ziehe den Bogen ab. Reinige die Innenseite mit einer Bürste und Spülmittel. Prüfe die Dichtungen und ersetze sie bei Beschädigung. Eine detaillierte Anleitung zum Siphon reinigen mit Spirale findest du in unserem Ratgeber.
Finger weg von chemischen Rohrreinigern
Chemische Granulate oder Gele bestehen meist aus stark alkalischen Laugen – Natrium- oder Kaliumhydroxid in hoher Konzentration. Sie lösen organisches Material wie Fett und Essensreste, haben aber gravierende Nachteile: Die Lauge unterscheidet nicht zwischen totem Gewebe im Abfluss und lebendem Gewebe an deinen Händen. Bereits ein Spritzer ins Auge kann die Hornhaut irreparabel schädigen. Zudem greifen die Substanzen Dichtungen, Chromoberflächen und Kunststoffteile an. Die DIN 1986-100 empfiehlt für Verstopfungen vorrangig mechanische Verfahren. Wer die Risiken chemischer Rohrreiniger kennt, greift seltener zur Flasche.
Vorbeugung: Verstopfung vermeiden
Ein Abflusssieb hält größere Partikel zurück. Wische Fett und Öl von Pfannen und Töpfen mit Küchenpapier ab, bevor du sie abspülst. Essensreste gehören in den Müll. Lasse einmal pro Woche heißes Wasser für zwei bis drei Minuten durch den Abfluss laufen. Mehr zu den häufigsten Ursachen für verstopfte Abflüsse und ihrer Prävention.
Wann den Klempner rufen?
Wenn die Verstopfung immer wiederkehrt, mehrere Abflüsse gleichzeitig betroffen sind oder starkes Gluckern auf ein Problem im Fallstrang hindeutet, ist der Profi die richtige Wahl. Auch wenn Hausmittel und mechanische Methoden wie Pömpel und Spirale nicht helfen, reichen DIY-Methoden nicht mehr aus. Profis arbeiten mit Kamera und Hochdruckfräse. Mehr dazu im Ratgeber Rohrreinigung DIY oder Profi.

Autor
Thomas M.
Gelernter Installateur mit Schwerpunkt Rohrreinigung. Im Meisterfaktur-Blog teile ich, was ich in der Praxis gelernt habe: wie du Verstopfungen selbst löst, welche Kosten fair sind und woran du unseriöse Anbieter erkennst. Der Fachshop für Spiralen und Rohrpumpen – ehrlicher Rat statt Werbeguide.

