Rohrbruch Erste Hilfe: Sofortmaßnahmen bei Wasserrohrbruch
Thomas M.2026-02-1810 Min. Lesezeit
Kurz gesagt
Bei Rohrbruch gilt eine klare Reihenfolge: Erst Wasserzufuhr unterbrechen (Hauptwasserhahn oder lokales Ventil), dann Strom abschalten, anschließend Wasser entfernen und Inventar schützen, Schaden dokumentieren und Fachbetrieb sowie Versicherung informieren. Der Hauptwasserhahn sitzt meist im Keller, Technikraum oder Hausanschlussraum – wer ihn vor dem Notfall lokalisiert, spart wertvolle Minuten. In der Mietwohnung sofort Vermieter oder Hausverwaltung informieren; sie haben oft den Zugang und müssen den Schaden beheben lassen. Die Dokumentation mit Fotos und Schadensliste ist entscheidend für die Versicherung – vor dem Aufräumen festhalten. Der umfassende Überblick zu allen Notfall-Szenarien steht im Leitfaden Notfall Rohrverstopfung.

Rohrreinigungspumpe
Angebot ansehenRohrbruch erkennen – die wichtigsten Anzeichen
Ein Rohrbruch macht sich nicht immer sofort bemerkbar. Oft beginnen die Schäden klein: ein leichter Druckverlust an der Dusche, eine feuchte Stelle an der Wand, Tropfgeräusche in der Leitung. Wer diese Anzeichen kennt, kann früh handeln und größere Folgeschäden vermeiden.
Zu den häufigsten Warnsignalen zählen ein plötzlich nachlassender Wasserdruck an Wasserhahn oder Dusche, feuchte Stellen oder Wasserflecken an Wänden, Böden oder Decken ohne erkennbaren Grund, sowie Tropf- oder Fließgeräusche in den Wänden, obwohl kein Wasser läuft. Eine auffällig erhöhte Wasserrechnung deutet auf ein verstecktes Leck hin – besonders bei drucklosen Leitungen, die lange unbemerkt bleiben können. Schimmelbildung, modriger Geruch oder dunkle Flecken hinter Fußleisten können ebenfalls auf Feuchtigkeit aus einem undichten Rohr hindeuten. Verformungen wie welliges Parkett oder aufplatzende Holzböden zeigen an, dass Feuchtigkeit bereits tief eingedrungen ist.
Die Art der Flecken verrät, welcher Rohrtyp betroffen ist. Bei Trinkwasserleitungen sind die Flecken meist hell und klar; bei Abwasserleitungen erscheinen sie schmutzig und riechen faulig – hier kann zusätzlich Rückstau in Dusche oder Waschbecken auftreten. Wichtig ist die Abgrenzung zur Verstopfung: Ein Rohrbruch bedeutet ein Leck, aus dem Wasser austritt; eine Verstopfung führt zu Rückstau, weil das Wasser nicht abfließen kann. Bei Verstopfung helfen Rohrreinigungsspiralen oder der Pömpel – bei Rohrbruch muss die Leitung repariert werden.
Die 5 Sofortmaßnahmen bei Rohrbruch
Sobald du einen Rohrbruch feststellst oder starken Verdacht hast, zählt jede Minute. Die folgende Reihenfolge ist bewusst gewählt: Zuerst stoppt du die Wasserzufuhr, dann eliminierst du die Stromgefahr, danach begrenzt du den Schaden und sicherst deinen Versicherungsanspruch.
Schritt 1: Wasserzufuhr unterbrechen
Das Wasser muss sofort stoppen. Drehe den Hauptwasserhahn vollständig zu – im Uhrzeigersinn, bis er fest sitzt. Der Hauptwasserhahn befindet sich typischerweise im Keller, im Hausanschlussraum oder im Technikraum, oft nahe der Vorderseite des Hauses. Bei Häusern auf Betonplatte solltest du in der Garage oder neben dem Wassererhitzer nachsehen. Liegt der Hahn außen, findest du ihn unter einem runden oder rechteckigen Metalldeckel nahe der Straße – möglicherweise mit Wasserzähler beschriftet. Für Ventile im Innenbereich reicht das Zudrehen von Hand; bei Kugelventilen mit Hebel muss der Hebel quer zur Rohrachse stehen. Für Außenventile kann ein Fünfkantschlüssel nötig sein.
Falls nur eine bestimmte Leitung betroffen ist – etwa am Waschbecken, an der Toilette oder an der Waschmaschine – kannst du stattdessen das lokale Absperrventil schließen. Diese sitzen direkt unter dem Waschbecken, hinter der Toilette oder an der Rückseite von Geräten. Wenn du den Hauptwasserhahn nicht findest oder keinen Zugang hast, rufe sofort den Vermieter, die Hausverwaltung oder einen Sanitär-Notdienst.
Informiere dich bereits in ruhigen Zeiten, wo sich dein Hauptwasserhahn befindet. Das spart in der Krise wertvolle Minuten und kann den Unterschied zwischen einem begrenzten und einem massiven Schaden ausmachen.
Schritt 2: Strom abschalten
Wasser und Strom sind eine lebensgefährliche Kombination. Bevor du den nassen Bereich betrittst, schalte den Strom ab. Nutze den FI-Schalter oder die betroffenen Sicherungen im Sicherungskasten. Wasser kann durch Decken und Wände in Stromleitungen eindringen – achte auch auf Bereiche eine Etage darüber, wo Feuchtigkeit hingelangt sein könnte. Kurzschlüsse und Stromschläge sind bei nassen Böden und Wänden eine reale Gefahr. Dieser Schritt hat Vorrang direkt nach dem Abstellen des Wassers.
Schritt 3: Wasser entfernen und Inventar schützen
Sobald Wasser und Strom sicher sind, begrenze den Schaden. Fange ausgetretenes Wasser mit Eimern, Lappen oder einem Nasssauger auf. Bring Möbel und Elektrogeräte in trockene Bereiche oder stelle sie auf Holzklötze, damit sie nicht im Wasser stehen. Decke gefährdete Gegenstände ab. Je schneller das Wasser entfernt wird, desto geringer sind Durchfeuchtung und Schimmelrisiko. Lüften hilft zusätzlich – offene Fenster und Türen fördern die Trocknung und beugen Schimmel vor.
Schritt 4: Schaden dokumentieren
Bevor du mit dem Aufräumen beginnst, dokumentiere den Schaden für die Versicherung. Mache Fotos und Videos aus verschiedenen Perspektiven: Übersichtsaufnahmen des betroffenen Bereichs, Detailfotos von Wasserflecken, beschädigten Gegenständen und der Schadenursache. Erfasse auch den Wasserzählerstand, falls möglich. Notiere Datum, Uhrzeit und die Umstände des Schadens. Erstelle eine Liste aller beschädigten Gegenstände mit einer realistischen Wertschätzung. Bewahre beschädigte Gegenstände auf, bis die Versicherung den Schaden registriert hat – entsorge sie nicht voreilig. Diese Dokumentation ist entscheidend für die Schadensabwicklung. Mehr zur richtigen Dokumentation bei Wasserschaden findest du im Notfall-Leitfaden.
Schritt 5: Fachbetrieb und Versicherung informieren
Kontaktiere umgehend einen Sanitär-Notdienst oder Fachbetrieb zur Leckortung und Reparatur. Informiere parallel deine Versicherung – idealerweise noch am selben oder spätestens am nächsten Tag. In der Mietwohnung musst du zusätzlich den Vermieter oder die Hausverwaltung informieren. Nach BGB § 254 hast du eine Schadensminderungspflicht: Du darfst nicht einfach zusehen, sondern musst aktiv handeln. Wer diese Pflicht vernachlässigt, riskiert, dass die Versicherung die Leistung kürzt oder verweigert. Bei Mehrfamilienhäusern informiere auch die Nachbarn, wenn Wasser in ihre Wohnung laufen könnte. Mehr dazu, wann ein Notdienst nötig ist und wie du Abzocke vermeidest.
Mietwohnung – Besonderheiten
In der Mietwohnung gelten einige Besonderheiten. Der Hauptwasserhahn liegt oft im Keller oder in einem Technikraum, zu dem nur der Vermieter oder Hausmeister Zugang hat. In diesem Fall musst du sofort den Vermieter oder die Hausverwaltung anrufen – sie müssen das Wasser abstellen und den Schaden beheben lassen. Als Mieter haftest du in der Regel nicht für einen Rohrbruch, der auf Materialverschleiß oder bauliche Mängel zurückgeht. Die Meldepflicht besteht aber: Wer den Schaden nicht zeitnah meldet, kann unter Umständen für Folgeschäden haftbar gemacht werden.
Informiere den Vermieter mündlich und schriftlich – per E-Mail oder Einschreiben, um den Zeitpunkt der Meldung zu dokumentieren. Die Versicherung informierst du parallel. Bei Gefahr im Verzug darfst du als Mieter auch selbst einen Notdienst beauftragen und die Kosten später vom Vermieter zurückfordern. Details zur Haftung bei Verstopfung und Wasserschaden in der Mietwohnung findest du in unserem Ratgeber.
Notdienst – wann und wie?
Bei großflächig austretendem Wasser, wenn der Keller unter Wasser steht oder Wasser in andere Wohnungen läuft, solltest du sofort einen Sanitär-Notdienst rufen. Auch wenn du den Hauptwasserhahn nicht findest oder keinen Zugang hast, ist der Notdienst die richtige Wahl. Sanitär-Notdienste sind rund um die Uhr erreichbar – auch nachts, am Wochenende und an Feiertagen.
Frage am Telefon nach den voraussichtlichen Kosten. Seriöse Anbieter nennen transparente Preise oder einen verbindlichen Rahmen. Vorsicht bei Lockangeboten wie Rohrreinigung ab 29 Euro – solche Anzeigen sind oft unseriös, und vor Ort kommen versteckte Aufschläge hinzu. Der VDRK (Verband Deutscher Rohr- und Kanal-Technik) bietet unter vdrk.de eine Mitgliedersuche für geprüfte Fachbetriebe. Normale Rohrreinigung oder Leckortung kostet in der Regel 100 bis 200 Euro; Rechnungen über 1.000 Euro für Standardarbeiten deuten auf Abzocke hin. Mehr zu Richtwerten und Abzocke-Vermeidung findest du in unserem Kosten-Leitfaden.
Versicherung – wer zahlt?
Welche Versicherung bei einem Rohrbruch zahlt, hängt vom betroffenen Objekt und der Schadensart ab. Die Wohngebäudeversicherung deckt Schäden am Gebäude selbst – durchfeuchtete Wände, beschädigte Böden, Schimmel. Die Hausratversicherung springt ein für bewegliches Inventar wie Möbel, Teppiche, Elektrogeräte und Kleidung. Die private Haftpflichtversicherung greift, wenn der Rohrbruch Schäden bei Dritten verursacht – etwa wenn Wasser in die Nachbarwohnung sickert.
Wichtig: Versicherungen zahlen in der Regel nur, wenn der Schaden unverschuldet entstanden ist. Grobe Fahrlässigkeit – zum Beispiel Heizung im Winter abstellen, wodurch Rohre einfrieren – kann zur Leistungsverweigerung führen. Schäden durch Unwetter oder Überschwemmung sind nicht automatisch in der Gebäudeversicherung enthalten und erfordern eine Elementarschadenversicherung. Meldung und Dokumentation sind entscheidend: Ohne rechtzeitige Information und Fotos kann der Anspruch gefährdet sein. Der Notfall-Leitfaden fasst Versicherung und Dokumentation ausführlich zusammen.

Autor
Thomas M.
Gelernter Installateur mit Schwerpunkt Rohrreinigung. Im Meisterfaktur-Blog teile ich, was ich in der Praxis gelernt habe: wie du Verstopfungen selbst löst, welche Kosten fair sind und woran du unseriöse Anbieter erkennst. Der Fachshop für Spiralen und Rohrpumpen – ehrlicher Rat statt Werbeguide.

